Der Bergbau in Kößlitz-Wiedebach

von Dr. Gerhard Kunze

Kößlitz-Wiedebach war ursprünglich ein geteilter Ort. Die Grenze verlief vom heutigen Sperlingsberg kommend durch das Rödersche Grundstück in Richtung Sandberg.

Kößlitz ist von beiden Dörfern die ältere Ansiedlung. Von den Wenden vielleicht schon im 5. Jh. gegründet wird sie urkundlich aus dem Jahre 1217 als Coselwitz bezeichnet. Der Name könnte von cosa (Ziege) - bezogen auf Ziegenhaltung - oder cosel (Hügel) - bezogen auf die Lage - abge­leitet sein. 1829 gab es hier 146 Einwohner, um 1900 etwa 320.  

Wiedebach gilt als eine germanische Ansiedlung. In einer Urkunde aus dem Jahre 1232 wird ein Bertoldus de Wydebe­cha genannt, der Ortsname tritt außerdem als Wede­bich/Wedewich auf. Die Ableitung könnte von wede/witu/wida (Wald, Holz, Weide) kommen. 1855 wohn­ten in den 11 Häusern und 2 Rittergütern 72 Menschen. Um 1900 waren es 70 Menschen.

Der Braunkohlenbergbau bei Kößlitz-Wiedebach

Die Braukohlevorkommen in unmittelbarer Nachbarschaft des Greißlautals bezeugen, dass auch unser Gebiet vor 70 Mill. Jahren, im sog. Tertiär, von üppigen Wäldern mit Sumpfzypressen und Mammutbäumen bedeckt war. Die daraus entstandene Braunkohle, die hier und da sogar „zu Tage ausging", wurde anfänglich von den Grundbesitzern direkt gegraben. Auch Muttlau wird genannt, wo um 1820 Knecht und Magd mit einem Tagelöhner Kohle für den Eigenbedarf des Bauernhofes gewannen.

Ab 1860 begann dann bei Wiedebach die bergmännische Erschließung unter Aufsicht des Bergamtes. Die Kohlevorkommen erstreckten sich im Bereich zwischen Aupitzer Weg - heutiger Autobahn - Nessaer Weg und hatten eine Ausdehnung von 2000 x 500 Metern. Unter einer Deckschicht von 12 bis 23 m befand sich ein Flöz mit einer Mächtigkeit von 6,50 bis 23 m. Abge­baut wurde er ab 1866 in drei Gruben:

  • der Grube Nr. 485 am Nessaer Weg durch Obersteiger Gottgfried Sauer,
  • der Grube „Glück Auf“ (Nr. 527) am Aupitzer Weg durch Markscheider Immeckenberg und
  • der Grube „Constantin" durch Constantin Hasse und G. Sauer.

1872 und 1877 kam es zur Vereini­gung dieser Gruben unter der Firmenbezeichnung „Hasse & Sauer".
Abgebaut wurde hauptsächlich im Tiefbau mit Schächten mit einer Teufe von 15 bis 42m. Anfänglich in Haspel­schächten mit Handbetrieb, bald aber mit dampfbetriebenen Fördermaschinen. Die Schächte hatten einen rechteckigen Querschnitt und waren in Holz ausgebaut. Außerdem wurde ab 1891 Förderung auf einer 175 m langen schiefen Ebene mit Kettenzug betrieben.

Großen Aufwand erforderte die Wasserhaltung, da sowohl das Deckgebirge als auch das Liegende stark wasserführend waren. In mehreren Wasser­schächten wurden täglich bis zu 5000 m³ Wasser ausgepumpt. Das änderte sich erst, als ab 1889 das Wasser durch einen 1105 m langen Stollen über die Muttlauer Schweiz und einer weiterführenden Leitung als Trinkwasser nach Weißenfels abge­führt werden konnte.
Das ganze Ausmaß des Grubenbetriebes in Wiede­bach wird durch folgende Zahlen deutlich:

  • Geförderte Kohle: 2.217.000 t
  • Täglich 180.000 Presssteine 31 Förderschächte
  • 11 Trockenschuppen für 5 Mill. Presssteine 3 Maschinen- u. Kesselhäuser
  • 4 Ziegelöfen
  • 3 Dampfessen (rd. 30 m hoch) 1200 m Lorenbahn
  • 18 Dampfmaschinen
  • Wohnhaus, l Steigerhaus 2 Presssteinhäuser
  • Stallanlagen und Werkstätten
  • 1890 insgesamt 300 Beschäftig

Der Betrieb wurde 1910 wegen restloser Auskohlung eingestellt. Die Anlagen wurden abgerissen das Gelände, rekultiviert und wieder landwirtschaftlich genutzt. Der Bauer Karl Röder setzte auf seinen Acker einen Stein mit der Inschrift: "Von uns die Arbeit, von Gott den Segen".