Das Trinkwasser im Greißlautal

von Dr. Gerhard Kunze / Foto: Frank Meier

Dass sich aus den Ansiedlungen im Greißlautal auf engem Raum insgesamt 6 Dörfer entwickelten, ist nicht zuletzt auf die reichlichen Vorkommen an Trinkwasser zurückzuführen. Zur Deckung des täglichen Wasserbedarfs wurde anfangs Quellwasser in Schöpfbrunnen aufgefangen. Später erfolgte der Bau von Pumpbrunnen, um damit auch das Grundwasser zu nutzen. Im Verlaufe der Zeit hatte dann fast jede Wirtschaft ihren eigenen Brunnen.
Daneben gab es einige Gemeindebrunnen, damit sich jedermann mit Trinkwasser versorgen konnte. Diese öffentlichen "Plumpen" (wie sie hier genannt wurden) gab es an zentralen Stellen in jedem unserer Dörfer. In Langendorf war es z.B. der „Hirtenborn" am Anger (neben jetzigem Grundstück Loeper) und in Muttlau am Zugang zur Schule. In Untergreißlau standen sie am Dorfplatz und an der Pfarre. Obergreißlau hatte drei solcher Pumpen: den „Nixborn" im Graben am Ende der jetzigen Ernst-Thälmann-Str., den „Hirtenborn" hinter der Borngasse und einen an der Schule. Kößlitz-Wiedebach hatte sie an der Schlippe zum Sperlingsberg, am ehemaligen „Wachthaus", Ecke Sperlingsberg, und an der Schule. Von diesen Brunnen aus wurde das Wasser in Eimern, mit Hilfe einer Wassertrage über der Schulter, nach Hause getragen.

Einen Fortschritt bedeuteten dann die Wasserleitungen, die anfänglich aus Holzröhren bestanden und Röhrenfahrt genannt wurden. Die älteste Leitung dieser Art führte im 17. Jh. von Obergreißlau aus durch Langendorf und den Hochheim nach Weißenfels bis zum Amtsgericht (jetzt Geleitshaus) in der Burgstraße. Sie wurde deshalb als „Amtsröhrenfahrt" bezeichnet. Nur zwei Langendorfer hatten gegen Zins das Sonderrecht, diese Leitung mittels des sog. Pfriemenstiches (Durchstich mit einer Schusterahle) anzuzapfen: die Venusschenke (jetzt Grundstück Wahren) und das Mahlersche Gut (jetzt Schweighöfer) am Hochheim.
Weitere Röhrenfahrten führten aus der Muttlauer Schweiz und einer Quelle am „Forsthaus" zum Waisenhaus sowie aus der Quellflur Untergreißlau (hinter dem Park) durch das Grundstück Sielen (jetzt Hilbert) zum Rittergut Langendorf. Reste dieser Leitungen wurden beim Straßenbau in den letzten Jahren an mehreren Stellen zu Tage gefördert.

Quellhaus in der Muttlauer Schweiz
Quellhaus in der Muttlauer Schweiz

Moderner waren dann die Gussrohrleitungen seit Ende des 19. Jh. Für die erste dieser Art blieb aber Langendorf wiederum nur Transitstrecke. Sie führte aus der Muttlauer Schweiz vorbei am Waisenhaus, dem Jahnweg entlang nach Weißenfels und versorgte über 100 Jahre lang die Altstadt mit Trinkwasser. Das Wasser selbst kam von der Grube „Constantin" aus Wiedebach. Von dort aus führte ein Stollen bis zum Quellhaus und löste so das Wasserproblem, das die Grube beim Kohleabbau von Anfang an hatte.
Wurden bis dahin täglich über 5000 m3 Wasser abgepumpt und nutzlos in den Bach geleitet, konnte von jetztan die Wasserknappheit für Weißenfels entschärft werden. Der Stollen ist heute noch voll in Betrieb. 1105 Meter lang verläuft er in rd. 40 Meter Tiefe unter der Erdoberfläche, 600 m davon sind ausgemauert und die andere Hälfte wurde durch Sandstein geschlagen. Der Be-und Entlüftung dienen zwei Schächte, der Standort des einen liegt unmittelbar am Aupitzer Weg.

Doch auch die Haushalte im Greißlautal kamen in den Genuss von Wasserleitungen. Schrittmacher war die Gemeinde Kößlitz-Wiedebach, die in den Jahren 1919/21 ihre Leitung baute. Initiator war der Landwirt Karl Röder.

Langendorf und Obergreißlau gründeten 1928 einen Trink­wasser-Zweckverband und gingen gemeinsam vor. Aller­dings mit manchen Querelen. So lagen 1930 schon viele Rohre im Boden und der Wasserturm war voll ein­gerüstet als es in der Tagespresse hieß "Wasserleitung ohne Was­ser". Die durchgeführte Bohrung war nämlich eine Fehlplanung und musste in 33 m Tiefe abgebrochen werden. Erst der nächste Versuch an anderer Stelle führte zum Erfolg und ab 1931 konnten beide Orte mit genügend Wasser in guter Qualität versorgt werden. Die Gemeinde Untergreißlau folgte erst im Jahre 1956, wohl auch deshalb, weil fast jedes Grund­stück einen eigenen Brunnen hatte.

Der Wasserturm in Obergreißlau

Der Wasserturm in Obergreißlau wurde 1930 gemeinsam mit der Pumpenstation in der "Prittitzer Hohle" zur Wasserversorgung der Gemeinde Langendorf mit dem Wassernetz errichtet.
Das Brunnenwasser wurde hierbei mittels einer Pumpenleitung vom Brunnen in den 38m hohen Wasserturm gepumpt. In der Höhe von ca. 32m befindet sich ein Wasserbehälter aus Stampfbeton mit ca. 60m³ Fassungsvermögen. Das Trinkwasser wurde durch den natürlichen Höhenunterschied in das Trinkwassernetz des Ortes gedrückt, so das in den Haushalten ein Druck von ca. 3,5 bar anlag.

Beide Gebäude sind typische Backsteinbauten aus normalen Mauersteinen. Der Wasserturm ist seit 20 Jahren nicht mehr in Betrieb und das dazugehörige Pumpenhaus wurde als Druckerhöhungsstation für das Trinkwasserleistungsnetz der Ortslage Langendorf umfunktioniert um auf dem gesamten Ortsnetz einen Druck von 6,5 bar zu garantieren. Die Gebäude stehen beide unter Denkmalschutz und werden regelmäßig am Tag des Denkmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Wasserturm befindet sich im Eigentum der Gemeinde Langendorf und die Pumpenstation im Besitz des Betreibers, den Stadtwerken Weißenfels.